Nackenschmerzen – Ursachen, Symptome, Risiken und Behandlung

Leiden auch Sie unter Nackenschmerzen oder einen steifen Hals? Fast jeder zweite Erwachsene hatte bereits dieses Problem. Doch wie entstehen Nackenschmerzen und was können Sie dagegeben tun?

Nackenschmerzen – Das lästige Ziehen im Nacken, wer kennt das nicht?

Nackenschmerzen sind längst zu einer Volkskrankheit, in der vornehmlich sitzenden Gesellschaft geworden. Betrachtet Sie die Evolution des Menschen, so fällt Ihnen zunächst die Entwicklung hin zu dem aufrechten Gang auf. Während die Vorfahren des Menschen noch affenartig gebeugt gingen, hat sich der aufrechte Gang mit einer geraden Wirbelsäule bei dem modernen Menschen etabliert. Die Digitalisierung und die damit verbundenen Arbeiten, die ausschließlich im Sitzen ausgeführt werden, wirken sich negativ auf die Haltung und die Muskulatur an Rücken, Schultern und Nacken aus. Zur Folge krümmen sich die obersten Wirbel und der Kopf sackt waagerecht nach vorne.

Nackenschmerzen durch Schlechte Haltung im Haltung
Smartphone und PC als Grund für eine Fehlhaltung und Verspannungen im Nacken

Da die wenigsten Arbeiten körperliche Abwechslung bringen, geschweige der Ausgleich in der Freizeit die Fehlhaltung vollständig ausbügeln kann, entstehen bleibende Verspannungen im Hals- und Nackenbereich. Das anfängliche Ziehen, entwickelt sich in Extremfällen zu einem pochenden Schmerz, der ebenfalls Verspannungen der Brustmuskulatur verschulden kann. Neuste Zahlen zeigen, dass mindestens jeder zweite Erwachsene in Deutschland unter Nackenschmerzen leidet. Häufige Begleiterscheinungen sind Schwindel oder Migräneanfälle, die sich ebenfalls auf die Verspannungen zurückführen lassen.

Was sind Nackenschmerzen?

Nackenschmerzen bezeichnen Schmerzen, die im Hals und Nackenbereich auftreten. Häufig strahlen sie auf Brust, Wirbelsäule und die Arme auf. Letztere, die sogenannten ausstrahlenden Schmerzen, sind den neurologischen Symptomen untergeordnet. Auslöser können in diesen Fällen die Bandscheiben sein, die aufgrund einer Verschiebung oder Fehlstellung auf Nerven entlang der Wirbelsäule drücken. Anatomisch finden sich Nackenschmerzen meist in dem Bereich der Wirbelkörper C1 bis C7. Dieser Bereich umfasst gleichzeitig die Halswirbelsäule die sich aus sieben Halswirbeln bildet. Dabei liegt auf dem obersten Halswirbel, dem sogenannten Atlas, der Schädel auf. Der darunter liegende Wirbel wird als Axis in der Medizin bezeichnet.

Halswirbel C1 bis C7
Darstellung der sieben Halswirbel

Neben Bandscheibenvorfällen können ebenfalls Schleudertraumata Nackenschmerzen auslösen. Gerade wenn die beiden oberen Wirbel extremer Belastung oder Verschiebung ausgesetzt werden führt dies zu Nackenbeschwerden, die sich häufig schwierig lokalisieren lassen. Nackenschmerzen und ein Schleudertrauma treten häufig gepaart nach einem PKW Unfall auf.

In der Regel führen Nackenschmerzen meist zu Bewegungseinschränkungen des Halses und der Arme. Ebenso Kopfschmerzen und Migräne können Produkt der Beschwerden sein. Wie bereits angesprochen, lässt sich die Ursache einer Migräne oder chronischer Kopfschmerzen häufig nicht direkt auf Verspannungen im Nacken zurückführen. Hingegen selten sind ernsthafte Erkrankungen, wie eine Fraktur der Halswirbelkörper, die Ursache, sondern Verspannungen sind die Boten der Schmerzen.

Wichtig zu wissen ist, dass Nackenschmerzen sowohl alleine auftreten als auch Symptom verschiedener Krankheitsbilder sein können. Ein Beispiel, das diese These belegt ist das sogenannte Halswirbelsäulen-Syndrom. Das Halswirbelsäulen-Syndrom (HWS-Syndrom, Zervikalsyndrom) ist ein Sammelbegriff für Beschwerden des Hals-Nackenbereiches und umfasst neben Kopf- und Nackenschmerzen auch Schwindel, Sehstörungen sowie Schluckbeschwerden. Dabei sind Nackenschmerzen und Schwindel sowie Nackenschmerzen und Migräne keine seltenen Kombinationen. Die Tatsache, dass der Nackenschmerz selten allein kommt, ist eine wichtige Information für den betroffene Patienten und  seinen behandelnden Arzt. Oftmals werden die Nackenschmerzen von dem Patienten nur als ein beiläufiges Symptom seiner schlechten Haltung oder als Produkt seines Bewegungsdefizits wahrgenommen. Treten die Nackenschmerzen jedoch in Verbindung mit einem der oben genannten Symptome, allen voran in Kombination mit Migräne auf, so können sie ebenso Urheber des Problems sein.

Kopfschmerzen durch Nackenschmerzen
Nackenschmerzen können Auslöser für Kopfschmerzen und Migräne sein

Spezifische und unspezifische Ursachen – Wie entstehen Nackenschmerzen?

Generell lassen sich die verschiedenen Arten von Nackenbeschwerden und Nackenschmerzen in zwei Kategorien eingliedern. Diese Aufteilung erfolgt in spezifische und unspezifische Ursachen.

Ebenfalls wie die Lendenregion ist auch die Halsregion eine Schwachstelle unserer Wirbelsäule. Sie wird besonders in der heutigen Zeit durch die vorwiegend sitzende Lebensweise und Fehlhaltungen häufig überstrapaziert. Jenen ersten Gesichtspunkt, enthielt bereits die Einleitung in diesen Artikel. So ist es nicht selten, dass sich gerade chronische Nackenschmerzen aus ihrer langjährigen Fehlhaltung ergeben.

Fehlhaltungen können sich durch den Arbeitsplatz am Rechner aber auch durch das falsche Schlafkissen ergeben. (Wie Sie das richtige Schlafkissen finden, erfahren Sie in unserem Hauptartikel.) Darüber hinaus treten im Bereich der Halswirbelsäule verschiedene Nerven aus dem Rückenmark aus. Daher kann eine Kompression oder Verletzung dieser Nerven kann zu starken Schmerzen und im Extremfall auch neurologischen Ausfällen führen. Ein Merkmal neurologischer Anfälle sind das Kribbeln, sowie Missempfindungen der Hände. In einem stärkeren Ausmaß können Nackenschmerzen ebenfalls zu Lähmungserscheinungen führen. Diese treten meist an weit entfernten Extremitäten, darunter den Händen und Armen oder an den Füßen und Beinen auf. Kurzzeitig wird somit die motorische Funktionalität dieser Körperteile außer Kraft gesetzt.

Generell können wir festhalten, dass Schmerzen, die einer genauen Ursache unterliegen als spezifisch bezeichnet werden. Darunter sind die häufigsten spezifischen Ursachen:

  • Verletzungen darunter Fraktur der Wirbelkörper oder Schleudertrauma
  • Blockaden im Bereich der Wirbelkörper
  • Bandscheibenvorfall sowie Probleme mit den Bandscheiben
  • Zervikale Spinalkanalstenose
  • Entzündungen oder Arthrose
  • Der sogenannte „Schiefhals“
  • Morbus Bechterew

Bei dem letzten Punkt, dem sogenannten Morbus Bechterew handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Sie definiert sich über eine Fehlfunktion des Immunsystems, das die eigenen Knochen- und Körperzellen befällt. In Folge der Erkrankung leiden die Patienten unter einer fortschreitenden Versteifung der Halswirbelsäule und den übrigen Wirbelkörper. Äußerlich lässt sich die Krankheit an dem sogenannten Rundbuckel erkenne, der sich ausbaut. Symptome der Krankheit in frühen Stadien, sind neben Kopfschmerzen und Migräne, vor allem Nackenschmerzen.

Die Symptome von Nackenschmerzen

Nackenschmerzen oder Nackenverspannungen beschreiben im Allgemeinen Verspannungen oder Zerrungen der Muskelgruppen im Hals- und Nackenbereich. Neben den Verspannungsschmerzen verspüren die Patienten häufig einen leichten Druck auf ihrer oberen Halswirbelsäule. Der Schmerz für sich, ist weniger pochend, dafür durchgängig. Am ehesten fühlt er sich, wie eine starke Muskelzerrung an. Die Beschwerden sind zu meist durchgängig und finden häufig ihren Höhepunkt am Morgen nach dem Aufstehen oder aber am Abend nach vielen Stunden am Schreibtisch.

Akute Nackenschmerzen sind harmlos, da sie meist nach wenigen Tagen vergehen. Ab einer Dauer von zwölf Wochen, wird von chronischen Nackenschmerzen gesprochen, die oftmals Anzeichen für körperliche Abnutzung sein können.

Gesundheitliche Folgen und Risiken durch Nackenschmerzen

Zunächst sind Nackenschmerzen, wenn sie akut auftreten nicht schädlich für den Körper. Wie jeder Schmerz, sollten sie vielmehr als Warnsignal angesehen werden, das der Körper aussendet. Im Gegensatz zu den Schmerzen, können ihre Ursachen dem Körper Schaden zufügen. Die wohl schädlichste ist die chronische Fehlhaltung, die unbehandelt zu Folgeschäden, an den Schultern, den Armen oder dem Kopf führen kann. Hier ein kleiner Überblick über mögliche Folgen.

  • Zervikobrachial-Syndrom, auch bekannt als Hals-Arm-Syndrom. Die Nackenschmerzen strahlen in die Schulter und den Arm aus. Darüber hinaus können noch Lähmungserscheinungen oder Sensibilitätsstörungen an den Händen auftreten. Betroffene klagen häufig über Taubheitsgefühle.
  • Zervikalsyndrom Es  beschreibt Nackenschmerzen, die ohne Störung der Nerven ausstrahlen. Betroffene Körperregionen sind neben den Schulternd die Arme, die ebenfalls schmerzen. Ebenso möglich sind starke Nackenverspannungen, die die Bewegung des Kopfes verhindern. Dieses Phänomen ist auch als steifer Hals bekannt.
  • Migräne und Kopfschmerzen treten häufig in Folge von chronische Nackenschmerzen auf.
  • Entzündungen in der Schulter, beispielsweise wenn Schonhaltungen über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, um dem Schmerzen vorzugbeugen. Dazu kommt häufig die Vermeidung von schmerzhaften Bewegungen, die anders als erwartet die Verspannungen und Verkrampfungen nur noch verstärken.
  • Bandscheibenprobleme Besonders die verkrampfte Muskulatur ist kaum beanspruchbar. Dies hat zur Folge, dass die Belastungen verstärkt von den Wirbelgelenken getragen werden müssen. Daher werden Bandscheibenvorfälle ebenfalls durch Nackenschmerzen begünstig. Die Fehlhaltungen, die eingenommen werden verzerren zunehmend die Muskulatur und machen ein geregeltes Zusammenspiel der verschiedenen Gruppen unmöglich.
  • Atemstörungen In Extremfällen kann der steife Hals Einfluss auf die Atmung nehmen, in dem er sich über den Brustkorb ausbreitet. Diese Ausdehnung führt mittunter zu einer flachen, gepressten Atmung, die nur schwer ausgeglichen werden kann. In diesem Fall ist es zu empfehlen einen Arzt so schnell wie möglich aufzusuchen.

Wann es sich empfiehlt einen Arzt aufzusuchen

Nackenschmerzen oder auch das Ergebnis verkrampfter Muskulatur sind unangenehm und beeinträchtigen ihre Lebensqualität. Jedoch vergehen sie in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage. Nicht selten kommt es vor, dass sie einen längeren Zeitraum beanspruchen. Dann empfiehlt es sich einen Arzt aufzusuchen, der die Ursachen für Sie abklärt.

Arztbesuch bei Nackenschmerzen
Zögern Sie nicht Ihren Arzt aufzusuchen, falls Sie länger unter Nackenschmerzen leiden

Eine Gehirnhautentzündung, auch wenn sie in seltenen Fällen Auslöser der Beschwerden ist, macht sich ebenfalls durch Nackenschmerzen bemerkbar. Allerdings sind die Nackenschmerzen nur eines der folgenden Zeichen einer Gehirnhautentzündung. Die anderen sind: Fieber, Krämpfe und Kopfschmerzen, Schmerzen beim Beugen des Kopfes in Richtung Brust, Lähmungen sowie Bewusstseinsstörungen. Ist dies bei Ihnen der Fall, so sollten Sie sofort einen Notarzt verständigen, da eine Gehirnhautentzündung tödliche Folgen haben kann, wenn sie zu spät erkannt wird. Ebenso können bleibende Schäden am Gehirn entstehen.  Im Regelfall ist bei einfachen Verspannungsschmerzen nicht von einer Gehirnhautentzündung auszugehen.

Treten Nackenschmerzen in Verbindung von Kribbeln und Taubheitsgefühlen in den Armen und Händen auf, so sind  die Ursachen meist neuronaler Natur. Dabei könnte es sich beispielsweise um ein Hals-Wirbelsäulen-Syndrom handeln. Oftmals treten diese Beschwerden auch nachts im Schlaf auf. Die Betroffenen werden dann durch taube Gliedmaßen oder Kribbeln in den Fingern wach.

Der Kampf gegen den Schmerz – Wie sie Ihre Verspannungen und Verkrampfungen lösen können

Anatomisch ist der Bewegungsapparat aus drei Parteien zusammengesetzt. Zunächst ist es das Skelett oder besser gesagt die Knochen, die das Gerüst für die Muskulatur bilden, die über Sehnen miteinander in Kontakt stehen. Dieser recht grobe Aufbau des Menschen, lässt sich hervorragend gerbrauchen, um Ihnen die Bedeutung einer gut ausgeprägten Muskulatur zu veranschaulichen. Denn in der Regel sind die Verkrampfung und Verhärtung der Muskulatur der Hauptgrund für ihre Nackenschmerzen.

Die Halswirbelsäule ist von starken Muskelsträngen umgeben, die sie beweglich machen und den Kopf stützen. Als erstes ist zu wissen, dass der Kopf in der Regel zu schwer für die Wirbelsäule ist und daher eine dementsprechende Muskulatur von Nöten ist, um diesem Effekt entgegenzuwirken. Ist die Muskulatur nicht ausreichend vorhanden, so kommt es unter anderem zu Fehlhaltungen und Verkrampfungen, die schlussendlich zu Nackenschmerzen führen.

Ausreichend Bewegung und Sport

Die Lösung für das Problem ist Sport, dabei sollten Sie zum einen eine Ausgleichsportartwählen, wie beispielsweise das Joggen und zusätzlich können Sie sich an dem Kraftsport für ihren Muskelaufbau wenden. Neben einer ausreichenden sportlichen Betätigung, empfiehlt es sich ebenfalls den Körper stets in Bewegung zu halten, so können Sie sich beispielsweise dazu entscheiden die Treppe an Stelle des Aufzuges zu nehmen oder Wege, die Sie sonst mit dem Auto fahren, zu Fuß zu gehen. Darüber hinaus empfehlen sich Dehnübungen, die über den Tag verteilt gemacht werden können.

Bewegung ist Gesund
Körperliche Bewegung und Dehnübungen lockern unsere Muskulatur

Ein weiterer Schritt zu einem schmerzfreien Nacken, kann ein Stehschreibtisch sein. Gerade, wenn Sie viele Stunden am Tag vor dem Computer verbringen, empfiehlt es sich das Sitzen mindestens zeitweise mit dem Stehen zu ersetzten.  Weiterhin kann es bei akuten Schmerzen hilfreich sein den Nacken warmzuhalten und Zugluft nach Möglichkeit zu vermeiden. Letztere Tipps sind im Winter wichtiger als im Sommer, da in Folge einer Erkältung ebenfalls Nackenschmerzen auftreten können. Der wohl angenehmste Ausgleich ist die Massage. Gerade bei Verspannungen, können diese Wunder wirken. Zusätzlich hilft eine Massage dabei den Schmerz zu lokalisieren.

Wir hoffen, dass wir Sie mit diesem Artikel über Nackenschmerzen aufklären konnten. Falls Sie weitere Tipps suchen, wie Sie effektiv Nackenschmerzen oder einen steifen Nacken loswerden können, dann lesen Sie gerne unseren Folgeartikel.

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